Wenn die Nacht eintausend gleicht

von Muhammad Al-Shareef

 

Es wurde berichtet, dass in den Tagen, als Musa (Friede sei auf ihm) mit dem Stamm Bani Israel in die Wüste wanderte, eine extreme Dürreperiode stattfand. So streckten sie gemeinsam ihre Hände gen Himmel und beteten, dass segensreicher Regen herabkommen möge. Daraufhin, zu Musa's (Friede sei auf ihm) Erstaunen und dem der Zuschauer, verschwanden die wenigen, verstreuten Wolken vom Himmel und die Hitzewelle wurde nur noch intensiver.

Es wurde Musa geoffenbart, dass es einen Sünder unter dem Stamm Bani Israel gab, der gegenüber Allah seit über vierzig Jahren ungehorsam war. "Lasst ihn sich selbst von der Gemeinde abspalten", sagte Allah zu Musa (Friede sei auf ihm). "Nur dann werde ich euch alle mit Regen versorgen."

Musa (Friede sei auf ihm) rief daraufhin die Menschen zu sich, "Es gibt eine Person unter uns, die gegenüber Allah für vierzig Jahre ungehorsam war. Lasst ihn sich von der Gemeinde abspalten, nur dann werden wir vor der Dürre errettet." Dieser Mann wartete, blickte links und rechts, hoffte das jemand anderes nach vorn treten würde, doch niemand tat es. Schweiss tropfte von seiner Stirn und er wusste, dass er es ,derjenige, war.

Der Mann wusste, dass wenn er unter der Gemeinde bleiben würde, alle verdursten würden und wenn er hervortreten würde, so würde er für alle Zeit beschämt sein.

Er hob seine Hand mit einer Aufrichtigkeit, die er zuvor nicht kannte, einer Demut die er nie zuvor schmeckte und als Tränen seine Wangen herunterliefen sprach, er: "Oh Allah, habe Gnade mit mir! Oh Allah, verstecke meine Sünden! Oh Allah, vergib mir!"

Als Musa (Friede sei auf ihm) und die Leute von Bani Israel darauf warteten, dass der Sünder vortritt, formten sich Wolken am Himmel und der Regen goss herab. Musa (Friede sei auf ihm) fragte Allah "Oh Allah, Du hast uns mit Regen gesegnet, obwohl der Sünder nicht hervorkam." Und Allah antwortete, "Oh Musa, es ist wegen der Reue dieser Person, dass ich die Gesamtheit Bani Israels mit Wasser segnete."

Musa (Friede sei auf ihm), der wissen wollte, wer dieser gesegnete Mann war, fragte, "Zeig ihm mir, oh Allah!" Allah antwortete, "Oh Musa, ich versteckte seine Sünden für vierzig Jahre, denkst Du ich werde ihn nach seiner Reue bloß stellen?"

Allah offenbarte den Quran in dem gesegnetsten Monat, dem Monat Ramadan. Dem Monat, indem der Quran herabgesandt wurde.

In der segensreichsten Nacht, der gewaltigen Nacht: Laylatul Qadr. "Wahrlich, wir haben den Quran in der Nacht von Qadr offenbart."

Ibn Jareer berichtet, mit der Autorität von Mujahid, dass es einen Mann von Bani Israel gab, der die Nächte im Gebet verbrachte. Dann am Morgen, bekämpfte er die Feinde auf dem Weg Allahs während  des Tages, bis es Abend wurde und er tat dies für eintausend Monate.

Und so offenbarte Allah die Sure: "Wahrlich, wir haben ihn herabgesandt in der Nacht von Al-Qadr" bis zum Vers "Die Nacht von Al-Qadr ist besser als eintausend Monate" Dies bedeutet, in dieser Nacht im Gebet zu stehen ist besser, als die Taten dieses Mannes.

Sufyan ath-Thawri berichtet, ebenfalls mit der Autorität von Mujahid, dass die Aussage, die Nacht von Al-Qadr ist besser als eintausend Monate, die vollbrachten guten Taten in ihr meint, das fasten und das im Gebet stehen in ihr sind besser als eintausend Monate gute Taten, Gebete und fasten.

[Berichtet von Ibn Jareer]

Es wird von Abu Hurairah berichtet, dass er sagte:

"Wenn der Monat Ramadan kam, sagte der Gesandte Allahs: ‘Der Monat Ramadan ist gekommen, ein gesegneter Monat in dem Allah euch das Fasten zur Pflicht gemacht hat. In ihm, sind die Tore des Paradieses geöffnet und die Tore der Hölle verschlossen. Und die Teufel sind angekettet. In ihm gibt es eine Nacht die besser ist als eintausend Monate, wer den Nutzen davon verliert, hat etwas unersetzbares verloren.

[Berichtet von Imam Ahmad und An-Nasa'i]


Es wird mit der Autorität von Abu Hurairah berichtet, das Allahs Gesandter (Friede sei auf ihm) sprach:

"Wer in der Nacht von Al-Qadr im Gebet steht, im Glauben und in der Hoffnung auf die Belohnung Allahs, dem werden alle seine vorherigen Sünden vergeben."

[Berichtet von Al-Bukhari und Muslim]

 

Diese eine Nacht überschreitet den Wert von 30.000 Nächten. Der wahrhafte Gläubige, welcher sich am Tag und in der Nacht über seine Sünden und Nachlässigkeiten sorgt, erwartet den Beginn des Ramadan geduldig. Während ihm hofft er auf Allahs Vergebung für seine vergangenen Sünden, wissend, dass der Prophet (Friede sei auf ihm) versprach, dass jedem, der sich in den letzten 10 Tagen des Ramadan bemüht, seine Sünden verziehen werden. Um dies zu erreichen, erinnert sich der Gläubige an den Rat des Propheten (Friede sei auf ihm) aus verschiedenen Aussprüchen, in denen er Worte wie "erstrebe", "suche", "verfolge", "suche angestrengt" im Zusammenhang mit der Laylatul Qadr benutzte.

Laylatul Qadr ist die gesegnetste Nacht. Jemand der sie verpasst, hat wahrlich eine große Menge an Gutem verloren. Der Mu'min sollte sie in den letzten 10 Nächten des Ramadan suchen und sie in Anbetung und Gehorsamkeit verbringen.

Für jene, die diese Gelegenheit nutzen, ihre Gunst ist, dass all ihre vergangenen Sünden gelöscht werden.

Der Gesandte Allahs (Friede sei auf ihm) zeigte uns einige Dinge, die wir in dieser gewaltigen Nacht tun sollten. Aus seiner segensreichen Sunna finden wir folgendes:


Das Qiyam beten (Nacht Gebet)

Es wird empfohlen, ein langes Qiyam Gebet während der Nächte, in denen die Laylatul Qadr sein könnte, zu verrichten. Dies ergeht aus vielen Hadithen, wie z.B.:

"Derjenige, der in der Laylatul Qadr steht (im Qiyam Gebet) [und es ist für ihn möglich], aus Glaube und Erwartung (Allahs Belohnung), ihm werden alle vorigen Sünden vergeben.

[Al-Bukhari und Muslim]

 

Der Zusatz "und es ist für ihn zumutbar" ist von Ahmad aufgezeichnet und kommt aus dem Bericht von ‘Ubadah Bin as-Samit; es bedeutet, dass es ihm erlaubt ist, zu den wahrhaften Dienern während dieser gesegneten Nacht zu gehören.


Bittgebete sprechen (Du'a)

Es wird empfohlen viele Bittgebete während dieser Nacht zu sprechen.


‘A'ishah berichtete, dass sie den Gesandten Allahs (Friede sei auf ihm) fragte, "Oh Gesandter Allahs! Wenn ich wüsste, welche Nacht Laylatul Qadr ist, was sollte ich darin sagen?" Und er wies sie an zu sagen: "Allahumma innaka `afuwwun tuhibbul `afwa fa`fu `annee - Oh Allah! Du bist der Vergebende und du liebst die Vergebung, so vergebe mir."

[Ein authentischer Hadith bei Ahmad, Ibn Majah und at-Tirmidhi.]



Weltliche Genüsse verlassen für die Anbetung

Desweiteren wird empfohlen, in den Nächten, in denen die Laylatul Qadr sein könnte, mehr Zeit mit Anbetung zu verbringen. Dadurch, dass man viele weltliche Genüsse verlässt, kann man seine Zeit und Gedanken nur für die Anbetung Allahs (Subhanahu wa ta'ala) nutzen.

‘A'ishah berichtete: "Wenn die (letzten) zehn begannen, macht der Prophet (Friede sei auf ihm) seinen Izar enger (d.h. er blieb seinen Frauen fern, damit er mehr Zeit für die Anbetung hatte), er wachte die gesamte Nacht (im Gebet) und weckte seine Familie."

[Al-Bukhari und Muslim]


Und sie sagte: "Allahs Gesandter (Friede sei auf ihm) betätigte sich noch mehr (mit Anbetung) in den letzten zehn Tagen als an anderen Nächten."

[Muslim]




Haben wir Allah richtig eingeschätzt?

Die Gelegenheit von Laylatul Qadr erreicht uns in den nächsten Tagen. Das Leben ist für Leute die ihre Chancen nutzen, damit sie die Liebe Allahs gewinnen und dies ist in der Tat eine dieser Chancen. Abu Dah Daah war einer derjenigen, die eine Gelegenheit erkannt und sie genutzt hat, um einen Gewinn zu erzielen, der gewaltiger ist als die Himmel und die Erde. Ein erwachsener Gefährte des Propheten (Friede sei auf ihm) hatte seinen Garten neben dem Grundstück eines Waisen. Der Waise behauptete, dass eine bestimmte Palme auf seinem Grundstück stand und deshalb ihm gehöre. Der Gefährte wies dies jedoch ab, so dass der Waisenjunge zum Propheten (Friede sei auf ihm) ging, um sich zu beschweren. Gerecht wie er ist, maß der Gesandte Allahs (Friede sei auf ihm), die zwei Gärten aus und stellte fest, dass die besagte Palme doch dem Gefährten gehörte. Der Waisenjunge brach in Tränen aus. Der Prophet (Friede sei auf ihm) sah dies und bot dem Gefährten an, "Würdest Du ihm diese Palme geben, wenn es für Dich eine Palme im Jannah gäbe?" Dennoch, unerfreut darüber, dass ein Waise sich beim Propheten (Friede sei auf ihm) beschwerte, verpasste er diese Gelegenheit und ging ärgerlich davon.

Jemand anders sah jedoch diese Gelegenheit, Abu Dah Daah (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er ging zum Propheten (Friede sei auf ihm) und fragte: "Ya Rasul Allah, wenn ich diesen Baum von ihm kaufe und ihn dem Waisen gebe, bekomme ich dann diesen Baum im Jannah?" Der Gesandte Allahs (Friede sei auf ihm) erwiderte, "Ja."


Abu Dah Daah lief dem Gefährten hinterher und fragte ihn, "Würdest Du mir diesen Baum verkaufen, für meinen gesamten Garten?" Der Gefährte antwortete, "Nimm ihn, denn es ist nichts Gutes an einem Baum, wegen dem sich über mich beim Propheten beschwert wurde."

Sofort lief Abu Dah Daah nach Hause und fand seine Frau und Kinder spielend im Garten. "Verlasst den Garten!" rief Abu Dah Daah, "wir haben ihn Allah verkauft!"Manche seiner Kinder hatten noch Datteln in ihren Händen und er nahm sie von ihnen und warf sie zurück in den Garten. "Wir haben es Allah verkauft!"

Als Abu Dah Daah später bei der Schlacht von Uhud als Märtyrer starb, stand der Gesandte Allahs (Friede sei auf ihm) an seinem erschlagenen Körper und bemerkte, "Wie viele schattenspendende Palmen hat Abu Dah Daah jetzt im Paradies?"

Was hatte Abu Dah Daah verloren? Datteln? Büsche? Dreck? Was hat er gewonnen? Er gewann ein Paradies, dessen Ausmasse die Himmel und die Erde ist.

Abu Dah Daah hat seine Gelegenheit nicht verpasst und ich bete zu Allah, dass wir unsere Gelegenheit auch nicht verpassen und in der Laylatul Qadr vor Allah stehen.

Liebe Brüder und Schwestern, wir dienen, beten zu und verehren Allah nicht wie es seiner Majestät gebührt.


Allah offenbarte:

"Sie haben Allah nicht eingeschätzt, wie es Ihm gebührt', wo die ganze Erde am Tag der Auferstehung in Seiner Hand gehalten wird und (auch) die Himmel in Seiner Rechten zusammengefaltet sein werden. Preis sei Ihm! Erhaben ist Er über das, was sie (Ihm) beigesellen.

[Der edle Quran 39:67]


Alles, was wir besitzen gehört Allah. Wenn jemand stirbt, so sagen wir, Inna lillahi wa inna ilayhi raji'un - Wahrlich, von Allah kommen wir und zu Allah kehren wir zurück. Dies ist nicht nur ein Bittgebet für den Fall eines Verstorbenen. Es ist ein Bittgebet für jede Bedrängnis die einen Gläubigen befällt, selbst wenn nur seine Sandale reisst. Warum? Weil alles Allah gehört und alles zu ihm zurück kehren wird. Setzt euch und versucht die Segnungen Allahs zu zählen, die er euch gewährt hat. Habt ihr schon versucht die Sterne zu zählen?

"Und Er gewährte euch von allem, worum ihr batet. Wenn ihr die Gunst(erweise) Allahs aufzählen wolltet, könntet ihr sie nicht erfassen. Gewiß, der Mensch ist
wahrlich sehr oft ungerecht und sehr oft undankbar."

[Der edle Quran 14:34]


Wir haben das Gewicht des Quran, den wir auf unseren Regalen stehen haben nicht richtig verstanden. Dieses edle Buch, welches herabgesandt wurde, um Leben den Toten zu geben. Selbst wenn unsere Herzen hart wie Steine wären, so würden sie doch am Boden zerbrechen in Furcht vor Allahs Strafe und Hoffnung auf Seine Gnade. Kann es sein, dass unsere Herzen härter sind als dieser Berg?

"Wenn Wir diesen Qur'an (als Offenbarung) auf einen Berg hinabsendeten, würdest du ihn wahrlich aus Furcht vor Allah demütig werden und sich spalten sehen. Diese Gleichnisse prägen Wir den Menschen, auf daß sie nachdenken mögen."

[Der edle Quran 59:21]



Liebe Brüder und Schwestern, während ihr die Moscheen für Qiyamul Layl in den letzten zehn Nächten des Ramadan füllt, erinnert euch an das, was Allah möchte, dass ihr wisst:
 

"Wisset, daß Allah streng im Bestrafen, daß Allah (aber auch) Allvergebend und Barmherzig ist."

[Der edle Quran 5:98]

Es wird eine Nacht kommen, eine Nacht in euren Leben, in der ihr erwachen werdet im Jannah oder im Höllenfeuer.
Anas ibn Malik, betete auf seinem Totenbett: "Oh Allah, schütze mich von einer Nacht, dessen Morgen eine Reise zum Höllenfeuer birgt." Denke über diesen Morgen nach.

Friede wird herabkommen in der Laylatul Qadr bis zum Morgengrauen. Es kann sein, dass du die Moschee nach dem Fajr eines Tages verlässt, mit der Vergebung Allahs, des Glorreichen, Allerhöchsten.