Die Geburt und vierzig Jahre vor dem Prophetentum

Die Geburt und vierzig Jahre vor dem Prophetentum

 

Seine Geburt

 

Der Führer der Propheten wurde auf im Stamme Hāschim in Mekka am Montagmorgen, den neunten Rabul-Ewwal geboren[1], im gleichen Jahr des Elefantenereignisses. (…)

 

Der Sohn von Sa‘d berichtete, dass die Mutter von Muhammed sagte: „Als er geboren wurde, erstrahlte ein Licht zwischen meinen Beinen und erleuchtete die Paläste Schâms.“ Ahmad und ed-Dârimi berichten Ähnliches.

 

Es wurde jedoch unterschiedliches darüber erzählt, dass wichtige Anzeichen seine Geburt begleiteten: 14 Emporen von Kisras Palast zerbrachen und rollten weg, das Feuer der Feueranbeter erlosch und einige Kirchen am Sewah See versanken und stürzten ein.

 

Seine Mutter schickte sofort jemanden um seinen Großvater Abdul-Muttalib von dem freudigen Ereignis zu berichten. Glücklich kam er zu ihr, trug in zur Kaaba, betete zu Allah und dankte ihm. Abdul-Muttalib nannte das Baby Muhammed, ein Name der damals noch nicht unter den Arabern verbreitet war.

 

Die erste Frau, die ihn nach seiner Mutter stillte, war Thuweybah, die Bedienstete von Abu Lahab mit ihrem eigenen Sohn Mesruh zusammen. Sie stillte vorher Hamzah bin Abdul-Muttalib und später Selemeh Sohn von Abdul-Esed el-Machzûmi.

 

Seine frühe Kindheit

 

Es war ein allgemeiner Brauch der Araber, die in Städten lebten, ihre Kinder zu den Beduinen Ammen zu schicken, so dass sie in der freien und gesunden Umgebung der Wüste aufwachsen, wobei sie eine robuste Statur entwickeln und die reine Sprache und Verhaltensweisen der Beduinen erlernen würden. Die Beduinen waren sowohl für die Keuschheit ihrer Sprache und dafür frei von solchen Lastern zu sein, die sich normalerweise in sesshaften Gesellschaften entwickeln, bekannt.

 

Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) wurde von Halimeh Tochter von Ebi Dhuaib Abdullah Sohn von el-Harith von Stamme Sa’d gestillt. Ihr Ehemann war el-Harith Sohn von Abdul-Uzza, welcher Ebi Kebschah genannt wurde, vom selben Stamm.

 

Muhammed (Friede und Segen auf ihm) hatte mehrere Milchgeschwister, Abdullah Sohn von el-Harith, Enisah Tochter von el-Harith, Hudhafah (oder Judhamah) Tochter von el-Harith (bekannt als esch-Schayma) und sie nahem den Gesandten Allah immer in den Arm (Friede und Segen auf ihm) und Ebu Sufyan Sohn von el-Harith Sohn von Abdul-Muttalib, der Cousin des Propheten. Hamzah Sohn von Abdul-Muttalib, der Onkel des Propheten, wurde von denselben zwei Ammen gestillt, Thuweybah und Halimeh es-Sa‘diyyah, die den Propheten (Friede und Segen auf ihm) stillten.

 

Halimeh durfte die Segnung durch den Gesandten Allahs (Friede und Segen auf ihn) auf wunderbarer Weise erleben. Ibn Ishak berichtet, dass Halimeh erzählte, dass sie, ihr Mann und ein säugendes Kind aus dem Dorf, in Begleitung anderer Frauen ihrer Sippe, gingen und nach Kinder zu suchen, die gestillt werden sollen. Sie sagte:

 

Es war ein Jahr der Dürre und Hungersnot und wir hatten nichts zu essen. Ich ritt auf einem braunen Esel. Wir hatten auch eine alte Kamelstute mit uns. Bei Allah, wir konnten nicht mal einen Tropfen Milch bekommen. Wir konnten nachts kein Auge zumachen, da das Kind wegen seinem Hunger die ganze Nacht schrie. Es war nicht genug Milch in meiner Brust und auch die Kamelstute hatte nichts, um ihn zu füttern. Wir beteten immer wieder für Regen und sofortiger Hilfe.
Endlich erreichten wir Mekka und suchten nach Kindern zum stillen. Nicht eine einzige Frau unter uns nahm den Gesandten Allahs (Friede und Segen auf ihm), der ihnen angeboten wurde. Sobald man ihnen sagte, dass er ein Waisenkind war, verweigerten sie ihn. Wir richteten unseren Blick auf die Belohnung, die wir von dem Vater des Kindes bekommen würden. Ein Waisenkind! Was machen sein Großvater und seine Mutter wahrscheinlich? Also haben wir ihn deswegen verschmäht. Jede Frau, die mit uns kam, hatte ein Kind zum stillen bekommen, außer mir und als wir im Begriff waren wieder zu gehen, sagte ich zu meinem Mann: „Bei Allah, ich möchte nicht mit den anderen Frauen ohne ein Baby zurückkehren. Ich muss zu dem Waisenkind gehen und ihn nehmen.“ Er sagte: „Es liegt kein Nachteil darin, dies zu tun und vielleicht wird Allah uns durch ihn segnen.“ Also bin ich gegangen um ihn zu nehmen, denn es gab keine weitere Alternative für mich, als ihn zu nehmen. Als ich ihn auf den Armen genommen hatte und zu meinem Platz zurück gekehrt war, legte ich ihn an meine Brust und zu meiner großen Überraschung fand ich genug Milch drin. Er trank nach Herzenslust und so tat es sein Stiefbruder und beide schliefen ein, obwohl mein Baby die letzte Nacht nicht schlafen konnte. Mein Mann ging dann zu der Kamelstute, um sie zu melken und zu seinem Erstaunen fand er reichlich Milch in ihr. Er molk sie und wir tranken, bis wir satt waren und genossen einen guten Schlaf während der Nacht. Am nächsten Morgen sagte mein Mann: „Bei Allah Halimeh wisse, dass du ein gesegnetes Kind bekommen hast.“ Und ich antwortete: „Bei Allah, ich hoffe es.“

 

Die Überlieferung besagt ausdrücklich, dass Halimeh auf ihrer Rückreise und in ihrem späteren Leben, von einem Hof des Glücks umgeben war, solange der Prophet (Friede und Segen auf ihm) bei ihr blieb. Der Esel, den sie ritt, als sie nach Mekka kam, war mager und fast schon lahm; er erholte sich sehr schnell zum Erstaunen der Mitreisenden von Halimeh. Sie sagten: „Ist das nicht der lahme Esel mit dem du hergekommen bist?“ Ich sagte: „Bei Allah ja, es ist der selbe“ Sie sagten: „Das hat doch was zu bedeuten!“.

Als sie die Lager in dem Land der Sippe Sa‘d erreichten, fanden sie, dass die Waage des Glücks zu ihren Gunsten gerichtet war. Auf dem öden Land spross üppiges Gras und die Tiere kamen zufrieden und voller Milch zurück. Muhammed (Friede und Segen auf ihm) blieb zwei Jahre bei Halimeh, bis er entwöhnt wurde. Halimeh sagte:

 

Wir nahmen ihn dann mit zurück zu seiner Mutter und baten sie inständig, dass er bei uns bleiben kann um von dem Glück und Segen, den er uns gebracht hatte, zu profitieren. Wir beharrten auf unseren Wunsch, der sich durch unsere Angst, dass Kind könnte sich eine bestimmte Infektion, die es besonders in Mekka gab, einfangen, verstärkte. Letztendlich wurde uns unser Wunsch gewährt und der Prophet (Friede und Segen auf ihm) blieb bei uns, bis er vier oder fünf Jahre alt war.

 

Die Spaltung der Brust

 

Als er mit einigen Jungen spielte, wie von Anas in Sahih Muslim berichtet, kam Gabriel herunter, riss ihn die Brust auf und entnahm ihm sein Herz, entfernte ein Blutgerinnsel aus ihm und sagte: „Das war der Teil des Satans in dir.“ Dann wusch er es mit Zamzam Wasser in einer goldenen Schale. Danach wurde das Herz wieder zusammengefügt und an seinen Platz zurückgesetzt. Die Jungen rannten zu seiner Mutter bzw. zu seiner Amme, und sagten: „Muhammed wurde ermordet.“ Sie eilten alle zu ihm und fanden ihn in guter Verfassung, nur sein Gesicht war weiß. In einer anderen Überlieferung: Seine Farbe hatte sich verändert.

 

Zurück zu seiner leidenschaftlichen Mutter

 

Nach diesem Ereignis machte Halimeh sich Sorgen und brachte ihn zu seiner Mutter zurück, bei der er blieb, bis er sechs Jahre alt war.

 

Um sich an ihren verstorbenen Ehemann zu erinnern, entschied Amina sein Grab in Yathrib (Medina) zu besuchen. Sie machte sich auf eine 500 km lange Reise, mit ihrem Waisenjungen, ihrer Dienerin Umm Aiman und ihrem Schwiegervater Abdul-Muttalib. Sie verbrachte einen Monat dort und begab sich dann auf den Rückweg nach Mekka. Unterwegs traf sie eine schwere Krankheit, die schwerer wurde und starb in „Al-Abwa“, auf dem Weg zwischen Mekka und Medina.

 

Bei seinem mitfühlenden Großvater

 

Abdul-Muttalib brachte den Jungen nach Mekka. Er liebte den Jungen innig, seinen verwaisten Enkel, dessen jüngste Katastrophe (der Tod seiner Mutter) zu den Schmerzen seiner Vergangenheit hinzu kam. Abdul-Muttalib ging leidenschaftlicher mit seinem Enkel, als mit seinen eigenen Kindern um. Er überließ den Jungen nie der Einsamkeit und bevorzugte ihn vor seinen eigenen Kindern. Ibn Hischam berichtete: Eine Matratze wurde in den Schatten der Kaba für Abdul-Muttalib gelegt. Die Kinder saßen gewöhnlich um die Matratze herum, um ihren Vater zu ehren, aber Muhammed saß gewöhnlich auf ihr. Seine Onkel nahmen in runter, aber wenn Abdul-Muttalib anwesend war, sagte er: „Lasst meinen Enkel. Ich schwöre bei Allah, dass dieser Junge eine bedeutende Position einnehmen wird.“ Er setzte den Jungen auf die Matratze, strich ihm über den Rücken und war immer zufrieden mit dem, was der Junge tat.

 

Als Muhammed (Friede und Segen auf ihm) acht Jahre, zwei Monate und zehn Tage alt war, starb sein Großvater Abdul-Muttalib in Mekka. Die Obhut des Propheten (Friede und Segen auf ihm) wurde nun an seinen Onkel Abu Talib übergeben, welcher der Bruder des Vaters des Propheten war.

 

Bei seinem mitleidigen Onkel

 

Abu Talib betreute seinen Neffen in bester Weise. Er erzog ihn mit seinen Kindern und bevorzugte ihn vor ihnen. Er hob den Jungen mit großem Respekt und hohem Ansehen heraus. Abu Talib schätzte seinen Neffen 40 Jahre lang und gab ihm allen möglichen Schutz und Unterstützung. Seine Beziehungen zu den anderen wurde dadurch bestimmt, wie sie den Propheten (Friede und Segen auf ihm) behandelten.

 

Die Wolken flossen seinetwegen

 

Ibn Asâkir berichtete im Auftrag von Dschalhumeh Sohn von Urfutah, der sagte: „Ich kam nach Mekka in einem regenlosen Jahr, so sagten die Quraisch: „Oh Abu Talib, das Tal ist blattlos geworden und die Kinder sind hungrig, lass uns gehen und um Regen beten.“ Abu Talib ging zur Kaaba mit einem Jungen, der so schön wie die Sonne war und eine schwarze Wolke war über seinem Kopf. Abu Talib und der Junge standen an der Wand der Kaba und beteten um Regen. Sofort kamen Wolken aus allen Richtungen und es regnete stark, was dazu führte, dass die Quellen flossen und die Pflanzen in der Stadt und auf dem Lande wuchsen. (…)

 

Bahira, der Mönch

 

Als der Gesandte Allahs (Friede und Segen auf ihm) zwölf Jahre alt war, ging er mit seinem Onkel Abu Talib auf eine Geschäftsreise nach Schâm. Als sie in Busra (was ein Teil von Syrien, in der Nähe von Huran unter dem Römischen Gebiet war) erreichten, trafen sie einen Mönch namens Bahira (sein wirklicher Name war Georges), der sich sehr gütig zeigte und sie großzügig verköstigte. Er hatte vorher noch nie die Gewohnheit, sie zu empfangen oder zu bewirten. Er erkannte den Propheten (Friede und Segen auf ihm) leicht und sagte, während er seine Hand nahm: „Das ist der Führer aller Menschen. Allah wird ihn mit einer Botschaft senden, welche eine Barmherzigkeit für alle Lebewesen sein wird.“ Abu Talib fragte: „Woher weißt du das?“ Er antworte: „Als ihr aus der Richtung von Aqabah erschienen seid, warfen sich alle Steine und Bäume nieder, was sie niemals tun, außer für einen Propheten. Ich erkenne ihn auch an dem Siegel des Prophetentums, welches unterhalb seiner Schulter ist, wie ein Apfel. Wir haben dies aus unseren Büchern gelernt. Er bat Abu Talib auch, den Jungen zurück nach Mekka zu schicken und ihn nicht mit nach Schâm zu nehmen, aus Angst vor den Juden. Abu Talib gehorchte und schickte ihn mit einigen seiner Diener zurück nach Mekka.

 

Die entweihenden Kriege

 

Muhammed (Friede und Segen auf ihm) war 20 Jahre, als die entweihenden Kriege – welche für einige Jahre mit abwechselnd Glück und erheblichen Verlusten an Menschenleben andauerten – zwischen den Quraisch mit dem Stamm Kinanah auf der einen Seite und dem Qais Ailan Stamm auf der anderen Seite ausbrachen. Sie wurden so genannt, weil die Unverletzbaren verletzbar gemacht wurden, die verbotenen Monate eingeschlossen. Harb Sohn von Umayyah war wegen seiner herausragenden Position und ehrenvollen Abstammung, der Führer der Quraisch und deren Verbündeten. In einer dieser Schlachten half der Prophet (Friede und Segen auf ihm) seinen Onkeln, erhob aber keine Waffen gegen deren Gegner. Seine Bemühungen lagen darin, die heruntergefallenen Pfeile der Gegner aufzuheben und sie seinen Onkeln zu geben. (…)

 

Das Bündnis der Güte

 

Am Ende der Kriege, als der Frieden wieder hergestellt war, fühlten die Menschen die Notwendigkeit ein Bündnis in Mekka zu bilden, welches Gewalt und Ungerechtigkeit unterdrückt und die Rechte der Schwachen und Notleidenden verteidigt. Vertreter von den Stämmen Haschim, el-Muttalib, Esed Sohn von Abdul-Uzza, Zahrah Sohn von Kilab und Taym Sohn von Murra wurden in die Wohnung eines ehrenwerten alten Mannes namens Abdullah Sohn von Dschud‘ân et-Taymi gerufen, um einem Bündnis beizutreten, welche sich um die gerade genannten Dinge kümmert. Der Gesandte Allahs (Friede und Segen auf ihm) bezeugte diese Liga und sagte nach dem er mit der Aufgabe des Prophetentums beehrt wurde: „Ich war Zeuge eines Bündnisses in dem Haus von Abdullah Sohn von Dschud‘ân. Es war mir wichtiger als die Rinderherden. Selbst jetzt in der Zeit des Islams würde ich zu so einem Treffen zusagen, wenn ich eingeladen wäre.“

 

In der Tat führten der Geist dieses Bündnisses und der Verlauf deren Beratungen zu einer völligen Abkehr von dem vorislamischen Stammesstolz. Die Geschichte, die zu dieser Versammlung geführt hat, besagt, dass ein Mann des Zubaid Klans als Kaufmann nach Mekka kam, wo er einige Waren an el-As Sohn von Wa‘il es-Sahmi verkaufte. Letztere versuchte mit allen Mitteln nicht für die Waren zahlen zu müssen. Der Verkäufer ersuchte Hilfe bei verschiedenen Klans in Quraisch, aber sie kümmerten sich nicht um seine ernsten Bitten. Er begab sich dann auf den Gipfel eines Berges und begann mit voller Stimme Verse der Beschwere zu rezitieren, welche die Ungerechtigkeit, die er erlitten hatte, zum Ausdruck brachten. Ez-Zubair Sohn von Abdul-Muttalib hörte von ihm und erkundigte sich nach der Sache. Folglich haben die Parteien des genannten Bündnisses ein Treffen einberufen und schaften es el-As Sohn von Wa’il zu zwingen ez-Zubaidy das Geld zu geben.

 

Das mühsame Leben

 

Muhammed (Friede und Segen auf ihm) hatte keine besondere Arbeit in seiner frühen Jugend, aber es wurde berichtet, dass er als Hirte für den Stamm von Sa‘d und in Mekka arbeitete. Später widmete er sich dem Handel. Er war mit es-Sâ’ib Sohn von Ebu es-Sâ’ib el-Machzûmi unterwegs. Er war ein sehr guter und ehrlicher Kaufmann.
Im Alter von 25 Jahren ging er als Kaufmann für Chadiedschah nach Schâm. Ibn Ishak berichtete, dass Chadiedschah, die Tochter von Chuwailid, eine sehr geehrte und reiche Geschäftsfrau war. Sie beschäftigte Männer, die ihre Geschäfte für einen bestimmten Prozentsatz der Gewinne tätigten. Die Quraisch waren meistens Händler und als Chadiedschah von Muhammed, seiner großen Ehrlichkeit und seinen guten Umgangsformen hörte, schickte sie nach ihm. Sie bot ihm Geld an um nach Schâm zu gehen und ihre Geschäfte zu tätigen und sie gab ihm mehr Geld, als den anderen. Sie schickte auch ihren Bediensteten (ein kleiner Junge, der ihm helfen sollte) Meiserah mit ihm. Er stimmte zu und ging mit Meiserah nach Schâm, um zu handeln.

 

Seine Heirat mit Chadiedschah

 

Als er nach Mekka zurückkehrte, bemerkte Chadiedschah, dass in ihrem Geld mehr Gewinn und Segen als vorher steckte. Ihr Bediensteten erzählte ihr auch von den guten Manieren Muhammeds, seiner Ehrlichkeit, seiner tiefen Gedanken, seiner Aufrichtigkeit und seinem Glauben. Sie erkannte, dass sie ihr Ziel anpeilte. Viele angesehene Männer hatten um ihre Hand angehalten, aber sie hatte ihre Annäherungsversuche immer verschmäht. Sie vertraute ihren Wunsch ihrer Freundin Nafisa, der Tochter von Munebbeh, an, die sofort zu Muhammed (Friede und Segen auf ihm) ging und die gute Nachricht zu ihm brachte. Er stimmte zu und bat seine Onkel zu Chadiedschahs Onkel zu gehen, um über die Sache zu sprechen. Anschließend wurden sie verheiratet. Der Ehevertrag wurde vom Stamm Haschim und den Führern von Mudarr bezeugt. Dies geschah, nachdem der Prophet aus Schâm zurückgekehrt war. Er gab ihr 20 Kamele als Mitgift. Sie war zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt und wurde als beste Frau ihres Stammes in Abstammung, Reichtum und Weisheit angesehen. Sie war die erste Frau, die der Gesandte Allahs (Friede und Segen auf ihm) heiratete. Er heiratete keine andere, bis sie starb.

 

Chadiedschah gebar alle seine Kinder, außer Ibrahim: el-Qâsim, Zainab, Ruqayyah, Umm Kulthum, Fatimah und Abdullah, der Tayyib und Tahir genannt wurde. Alle seine Söhne starben in der Kindheit und alle Töchter, außer Fatimah starben während seines Lebens. Fatimah starb sechs Monate nach seinem Tod. Alle seine Töchter bezeugten den Islam, nahmen ihn an und wanderten nach Medina aus.

 

Der Wiederaufbau der Kaaba und das Schiedsverfahren

 

Als der Gesandte Allahs (Friede und Segen auf ihm) 35 Jahre alt war, begannen die Quraisch die Kaaba wieder aufzubauen. Dies geschah, weil es ein niedriges Gebäude aus weißen Steinen, nicht mehr als 6,30 m hoch, aus den Tagen Ismaels war. Es war auch ohne Dach und das gab den Dieben einen einfachen Zugang zu seinen Schätzen im Inneren. Es war auch den Naturgewalten ausgesetzt – denn es wurde vor langer Zeit gebaut – die seine Mauern geschwächt und zerbrochen hatten. Fünf Jahre vor dem Prophetentum gab es ein großes Hochwasser in Mekka, welches in Richtung der Kaaba floss und sie fast niederriss. Die Quraisch wurden verpflichtet, sie wieder aufzubauen um ihre Heiligkeit und Position zu wahren. Die Führer der Quraisch legten fest, nur ehrliches Geld für den Wiederaufbau der Kaaba zu benutzen, so dass alles Geld, welches aus Hurerei, Wucher und ungerechten Praktiken stammte, ausgeschlossen wurde. Zuerst trauten sie sich nicht, die Wand einzureisen, aber el-Walid Sohn von Mughierah el-Machzûmi begann mit der Arbeit. Als sie sahen, dass ihm nichts geschah, halfen die anderem ihm die Mauern einzureisen, bis sie das Fundament erreichten, welches von Abraham gelegt wurde. Als sie die Mauern wieder aufbauten, teilten sie die Arbeit unter den Stämmen auf. Jeder Stamm war verantwortlich für den Wiederaufbau eines Teils. Die Stämme sammelten Steine und begannen mit der Arbeit. Der Mann, der die Steine verlegte, war ein römischer Maurer namens Bâqum. Die Arbeit verlief harmonisch, bis die Zeit gekommen war, den heiligen schwarzen Stein an seinen gebührenden Platz zu setzen. Dann brach ein Streit unter den Führern aus, der vier oder fünf Tage andauerte. Jeder kämpfte um die Ehre, den Stein an seine Stelle platzieren zu dürfen. Dolche wurden fast gezogen und ein großes Blutvergießen schien unmittelbar bevorzustehen. Glücklicherweise machte der älteste Führer Ebu Umayyah Sohn von Mughierah Al-Machzûmi einen Vorschlag, den alle annahmen. Er sagte: „Lasst den, der das Heiligtum als erster betritt, diese Angelegenheit entscheiden.“ Es war der Wille Allahs, dass der Gesandte Allahs (Friede und Segen auf ihm) der erste war, der die Moschee betrat. Als sie ihn sahen, schrien alle Anwesenden gleichzeitig: „El-Emien (der Vertrauenswürdige) ist gekommen! Wir sind bereit seine Entscheidung zu befolgen.“ Ruhig und besonnen erhielt Muhammed den Auftrag und entschloss sich auf einmal für eine Lösung, welche sie alle wieder versöhnen sollte. Er fragte nach einem Mantel, den er auf dem Boden ausbreitete und legte den Stein in die Mitte. Er bat dann die Führer der verschiedenen Klans den Stein alle gemeinsam hochzuheben. Als er den richtigen Platz erreicht hatte, platzierte Muhammed (Friede und Segen auf ihn) ihn mit seinen eigenen Händen in die richtige Position. So geschah es, wie eine angespannte Situation durch die Weisheit des Propheten (Friede und Segen auf ihm) entspannt wurde und eine ernste Gefahr abgewendet werden konnte.

 

Den Quraisch ging das zulässige Geld, das sie gesammelt hatten, aus und so beseitigten sie eine sechs ellenlänge Fläche auf der nördlichen Seite der Kaaba, welche el-Hidschr und el-Hatiem genannt wird. Sie erhoben die Tür zwei Meter über den Boden, so dass nur Leute hineingehen konnten, die wollten. Als der Bau 15 Ellen hoch war, errichteten sie das Dach, welches auf sechs Säulen liegt.

 

Als der Bau der Kaaba beendet war, nahm es eine quadratische Form von 15 Metern Höhe an. Die Seite mit dem Schwarzen Stein und die gegenüberliegende Seite waren jeweils zehn Meter lang. Der Schwarze Stein war 1,50 m von dem zu umrundenden Erdboden entfernt. Die zwei anderen Seiten waren jeweils zwölf Meter lang. Die Tür war zwei Meter vom Boden aus hoch. Ein Bauwerk von durchschnittlich 0,25 m Höhe und 0,30 m Breite lag um die Kaaba. Es hieß esh-Schadhurwân und war ursprünglich ein eingebauter Teil des Heiligtums, aber die Quraisch ließen es weg.

 

Eine kurze Biografie vor dem Prophetentums

 

Der Prophet Muhammed (Friede und Segen auf ihm) war in seiner Jugend eine Kombination der besten sozialen Eigenschaften. Er war ein vorbildlicher Mensch von erheblichen Verstand und einwandfreier Erkenntnis. Er war ausgezeichnet mit Intelligenz, Originalität des Denkens und einer genauen Wahl der Möglichkeiten, die zu den richtigen Zielen führen. Sein langes Schweigen half in positiver Weise bei seiner Gewohnheit zu meditieren und bei der tiefen Erforschung der Wahrheit. Sein lebendiger Geist und seine reine Natur waren maßgeblich hilfreich beim Anpassen und Verstehen des Lebensweges und der Leute, individuell und gemeinschaftlich. Er mied abergläubische Praktiken und nahm stattdessen eine aktive Rolle in konstruktiven und nützlichen Beziehungen ein, andernfalls würde er auf seine selbst-geweihte Einsamkeit zurückgreifen. Er distanzierte sich vom Wein trinken, vom Essen des Fleisches, welches auf steinernen Altären geschlachtet wurde oder von der Teilnahme an götzendienlichen Veranstaltungen. Er hielt die Götzen mit extremer Abneigung und größter Abscheu. Er konnte niemals jemanden tolerieren, der bei el-Lat und el-Uzza schwor. Allahs Vorsehung trennte ihn ohne Zweifel von allen abscheulichen und üblen Praktiken. Selbst wenn er versuchte, seinem Instinkt zu gehorchen um einige „Freuden des Lebens“ zu genießen oder einigen unabhängigen Traditionen zu folgen, griff Allahs Vorbestimmung ein um jeglichen Fehltritt in dieser Hinsicht Einhalt zu gebieten. Ibn el-Athier berichtet, dass Muhammed (Friede und Segen auf ihm) sagte: „Ich habe niemals versucht zu tun, was mein Volk tut, mit Ausnahme von zweimal. Jedes Mal wenn Allah eingriff und mich davon abhielt, es zu tun, tat ich es nie wieder. Einmal sagte ich zu einem befreundeten Hirten, dass er auf meine Schafe aufpassen soll, als wir im oberen Teil von Mekka waren. Ich wollte runter nach Mekka gehen und mich amüsieren, wie die jungen Männer es taten. Ich ging runter bis zum ersten Haus von Mekka, wo ich Musikinstrumente hörte. Ich trat ein und fragte: ‚Was ist das?‘ Jemand antwortete: „Es ist eine Hochzeitsfeier.“ Ich setzte mich und hörte zu, fiel aber schon bald in tiefen Schlaf. Ich wurde von der Hitze der Sonne geweckt. Ich ging zu meinem befreundeten Hirten zurück und erzählte ihm, was mir passiert war, da er mich fragte. In einer anderen Nacht wollte ich ebenfalls los, so ging ich nach Mekka. Doch genau das selbe traf mich, was mich das erste Mal traf. So habe ich es nie wieder versucht.“

 

El-Buchari berichtete im Auftrag von Dschâbir Sohn von Abdullah, dass er sagte: „Während die Leute die Kaaba wieder aufbauten, ging der Prophet (Friede und Segen auf ihm) mit Abbas um einige Steine zu tragen. Abbas sagte: „Lege deinen Lendenschurz um deinen Hals um dich vor den Steinen zu schützen.“ Als er dies machte, fiel der Prophet (Friede und Segen auf ihm)  auf den Boden und seine Augen wandten sich himmelwärts. Später wachte er auf und schrie: „Mein Lendenschurz, mein Lendenschurz.“ Er wickelte sich in seinen Lendenschurz.“ In einer anderen Überlieferung: „Seine Lenden wurden danach nie wieder gesehen.“[2]

 

Die Quellen stimmen darin überein, dass sie der Jugend von Muhammed (Friede und Segen auf ihm) Bescheidenheit im Benehmen, tugendhaftes Verhalten und anmutige Manieren zuschreiben. Er erwies sich als Ideal der Menschheit und besaß einen makellosen Charakter. Er war der höflichste zu seinen Landsleuten, der ehrlichste beim Reden und der mildeste im Temperament. Er war der einfühlsamste, keusch, gastfreundlich und immer beeindruckte er die Leute mit seiner Frömmigkeit anregenden Haltung. Er war der wahrhaftigste und der beste im Halten von Vereinbarungen. Seine Mitbürger gaben ihn, in allgemeiner Zustimmung, den Titel El-Emien (Der Vertrauenswürdige). Die Mutter der Gläubigen, Chadiedschah sagte einmal: „Er hält die Familienbande aufrecht, er hilft den Armen und Bedürftigen, er unterhält die Gäste und erträgt Strapazen auf dem Weg der Wahrhaftigkeit.“

 

[1] Es gibt keine expliziten Beweis was das genau Datum der Geburt angeht. Manch sagen Montag den 9.ten Manche sagen Donnerstag den 12.ten und andere nennen anderen Daten. Hier wurde das meist bekannte genommen, was nicht heisst dass es authentisch ist.

[2] Das verwendete Wort hier im arabischen ist Izâr was dem im Deutschen bekannten Lendenschurz nicht gleich ist. Es ist ein langer Stoff der bis zu den Waden reicht und um die Beine wie ein Rock gewickelt wird. Meistens hatte man noch was drunter an.

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