Gründe für Sieg und Niederlage

Gründe für Sieg und Niederlage

Ibn Úthaymeen, Al-Jihad, 1411 Dar al Afaq, Riyadh

 

Oh Brüder: Wir alle sind abhängig von Allah und wir müssen die Bedingungen für einen Sieg beachten, welche sind:

 

Erstens:

Die Ehrlichkeit in der Absicht für Allah, so dass wir mit unserem Jihad nur im Sinn haben, das Wort Allahs zu erhöhen, die Shari´ah sowie die Herrschaft des Buches Allah´s (t) und der Sunnah Seines Propheten (Friede und Segen auf ihm) einzuführen [und dass wir nicht aus nationalistischen oder ähnlichen Gründen kämpfen].

 

Zweitens:

Das Üben von Geduld und Frömmigkeit (Taqwa), denn Allah ist bei den Geduldigen und den Gottesfürchtigen. Wir müssen im Jihad Geduld zeigen und Taqwa Allah (t) gegenüber haben, indem wir Seine Befehle befolgen und seine Verbote beachten, denn eine Abweichung von den Anordnungen Allah´s (t) und seines Propheten (Friede und Segen auf ihm) ist ein Grund für Niederlagen. Die Gefährten, die Allah´s (t) Befehle und die Seines Gesandten (Friede und Segen auf ihm) in der Schlacht von Uhud missachteten, wurden aus diesem Grund geschlagen, nachdem sie zuerst siegreich gewesen waren. Danach traf sie jedoch Allah´s Gnade und er vergab ihnen.

 

Drittens:

Das Erkennen unserer Stärken und dass es keine Macht noch Kraft außer bei Allah gibt- so dass wir nicht von unserer Kampfkraft und Truppenstärke überzeugt sind und nicht eingebildet sind. Denn stolz auf sich selbst zu sein ist ein Grund für eine Niederlage. Die Gefährten waren in der Schlacht von Hunayn von ihrer Kampfstärke überzeugt, doch sie nützte ihnen nichts. Sie wurden anschließen zurückgedrängt, flohen, doch Allah (t) sandte Ruhe auf seinen Gesandten (Friede und Segen auf ihn) und auf die Gläubigen und schickte eine Armee von Engel, so dass die Gläubigen den endgültigen Sieg davontrugen.

 

Viertens:

Das Beweisen von materieller Stärke gegen die Feinde, nämlich die Verwendung von Waffen und Stärke in der jeweiligen Zeit und Situation, so dass wir auf die Bewaffnung der Feinde ebenbürtig antworten.

Wenn wir diese vier Punkte erfüllen, dann sagt Allah (t) in ungefährer deutscher Übersetzung:

O die ihr glaubt, wenn ihr Allah(s Sache) helft, hilft Er euch und festigt eure Füße.“ [Koran 47:7]

Und Allah wird ganz gewiss denjenigen helfen, die Ihm helfen. Allah ist wahrlich Stark und Allmächtig. (Ihnen), die, wenn Wir ihnen eine feste Stellung auf der Erde verleihen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten. Und Allah gehört das Ende der Angelegenheiten. [Koran 22:40-41]

 

 

So wie es Gründe für den Sieg gibt, gibt es auch Gründe für Niederlagen. Diese sind:

 

Erstens:

Verschwenderisch zu sein, Allah´s (t) Befehle zu vernachlässigen, zu tun, was Allah (t) uns verboten hat und zu unterlassen, was Er befohlen hat, so dass die Niederlage zu einer Maßnahme der Disziplin wird und zu einer Tilgung böser Taten.

 

Zweitens:

Stolz zu sein auf sich selbst, seine Kraft, Truppenstärke oder Bewaffnung.

 

Drittens:

Uneinigkeit und Unstimmigkeit. Allah (t) sagte (in ungefährer deutscher Übersetzung):

Und streitet nicht miteinander, sonst würdet ihr den Mut verlieren, und eure Kraft würde vergehen!“ [Koran 8:46]

Allah (t) verkündete in Seinem Buch diese drei Gründe für Niederlagen, so dass die Menschen vor ihnen gewarnt wurden.

In der Schlacht von Uhud kamen Ungehorsam, Zwietracht und Uneinigkeit über einige Muslime und verursachten ihre Niederlage. Allah (t) sagte (in ungefährer deutscher Übersetzung):

Und was euch an dem Tag traf, da die beiden Heere aufeinandertrafen, so (geschah) das mit Allahs Erlaubnis, - damit Er die Gläubigen kennt.“ [Koran 3:166]

Große Weisheit liegt hierin.

In Hunayn waren die Muslime von ihrer Truppenstärke überzeugt. Sie waren 12000 und einige sagten, „Heute können wir nicht geschlagen werden, weil sie uns zahlmäßig unterlegen sind“, so sagte Allah (t) über diesen Tag (in ungefährer deutscher Übersetzung):

"Und auch am Tag von Hunain, als eure große Zahl euch gefiel, euch aber nichts nutzte. Die Erde wurde euch eng bei all ihrer Weite. Hierauf kehrtet ihr den Rücken (zur Flucht). Daraufhin sandte Allah Seine innere Ruhe auf Seinen Gesandten und auf die Gläubigen herab, und Er sandte Heerscharen, die ihr nicht saht, herab und strafte diejenigen, die ungläubig waren. Das war der Lohn der Ungläubigen. Hierauf nimmt Allah nach alledem die Reue an, von wem Er will. Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig." [Koran 9:25-27]

Die Weisheit hierin ist, dass die Diener wissen müssen, dass ein Sieg nur von Allah kommt und dass er nicht erreicht wird, indem man über die Mittel für einen Sieg verfügt und indem man den Feind besiegt. Dies trifft vor allem zu, wenn der Diener stolz ist und dabei vergisst, dass alle Vorkommnisse nur mit der Erlaubnis Allah´s (t) erfolgen und dass der Diener, wenn er auf seine Stärke vertraut, seiner Schwäche und Kraftlosigkeit ausgeliefert ist. Nachdem also diese Tatsachen – nämlich das Missachten der Rechte Allah´s(t), Arroganz, Zwietracht und Meinungsverschiedenheit – zu den Gründen für Niederlagen gehören, gehört es zur Pflicht für jede Armee von Rechtschaffenen, diese Gründe zu erkennen, und zu erkennen, dass sie ihre Niederlagen verursacht haben und anschließend etwas gegen diese Krankheiten zu unternehmen, so dass der letzte Ausgang ein Guter ist.

"Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist, und vielleicht ist euch etwas lieb, während es schlecht für euch ist. Allah weiß, ihr aber wisst nicht." [Koran 2:216]

Oh Brüder, Allah (t) sagte (in ungefährer deutscher Übersetzung):

"Und haltet für sie bereit, was ihr an Kraft und an kampfbereiten Pferden (haben) könnt, um damit den Feinden Allahs und euren Feinden Angst zu machen, sowie anderen außer ihnen, die ihr nicht kennt; Allah aber kennt sie! Und was immer ihr auf Allahs Weg ausgebt, wird euch in vollem Maß zukommen, und es wird euch kein Unrecht zugefügt." [Koran 8:60]

Allah (t) ordnete an, dass wir uns mit aller Kraft gegen die Feinde rüsten, wobei das Wort „Kraft“ hier anscheinend als indefinites Nomen zu verstehen ist. Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) erklärte die Bedeutung dessen, indem er sagte: „Wahrhaftig, die Kraft ist das Werfen [z.B. Schießen], wahrhaftig, die Kraft ist das Werfen.“ Er (Friede und Segen auf ihm) sagte auch: „[Lerne zu] Werfen und [lerne zu] Reiten und wenn du das Werfen [lernst], dann ist mir das lieber, als wenn du das Reiten [lernst].“ So befahl uns Allah (t), dass wir alle Kraft aufbringen und der Prophet (Friede und Segen auf ihm) erklärte, dass Kraft Werfen (z.B. Schießen) beinhaltet.

Denn Allah (t) sagte (in ungefährer deutscher Übersetzung):

"und an kampfbereiten Pferden (haben) könnt, um damit den Feinden Allahs und euren Feinden Angst zu machen, sowie anderen außer ihnen, die ihr nicht kennt; Allah aber kennt sie!" [Koran 8:60]

Die Feinde Allahs und unsere Feinde sind diejenigen, die ungläubig sind und ihren Unglauben öffentlich machen, und Andere, die wir nicht kennen, doch Allah (t) kennt sie. Es wird gesagt: Wer hier gemeint ist, sind jene, die an diesem Tag weit von den Gläubigen entfernt sind. Mit „weit“ ist hier die Entfernung gemeint. Andererseits wird auch gesagt, dass Heuchler mit diesen Worten gemeint sind. Allah (t) sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

"Unter den Wüstenarabern in eurer Umgebung gibt es Heuchler und (auch) unter den Bewohnern von al-Madina, die in der Heuchelei geübt sind. Du kennst sie nicht, aber Wir kennen sie." [Koran 9:101]

Denn wenn Heuchler den Ruhm des Islam sehen, werden sie erschrecken und Angst haben. Aus diesem Grund kam Heuchelei in dieser Ummah nicht vor bis zur Schlacht von Badr, als Allah den Muslimen zum Sieg verhalf und die Polytheisten strafte. Und was mit „Anderen außer ihnen“ gemeint ist, sind entweder Menschen, die noch nicht dazu gekommen sind, den Islam zu bekämpfen und über die die Gläubigen noch nichts wissen (z.B. wenn sie die Gläubigen bekämpfen wollten, aber nicht dazugekommen sind, weil sie Angst hatten, nachdem die Gläubigen die Polytheisten besiegt hatten) oder es sind Heuchler.

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